VW und Keiretsu

Toyota und Volkswagen werden gerade ständig miteinander verglichen.
Also gut, dachte ich, schaue ich mir das auch mal an.

Und weil wir hier auf LinkedIn sind, hatte ich natürlich ziemlich schnell das Erfolgsgeheimnis gefunden: Keiretsu, der Toyota-Hack sozusagen.
Nur braucht dieser Hack leider ein paar Jahrzehnte.
Das ist für einen Hack eher unpraktisch.

Denn dass Toyota mit rund 260.000 Beschäftigten weniger mehr Autos als Volkswagen baut und dabei eine operative Marge hat, die auch noch ungefähr doppelt so hoch ist, machte mich stutzig.

Sofort will man natürlich nach Japan fliegen und nachsehen, wie die das eigentlich machen.

Machen deutsche Manager ja sowieso seit Jahrzehnten, nach Japan fahren.
Japan ist im deutschen Management ungefähr das, was Mallorca für Kegelvereine ist.
Man fährt hin, kommt begeistert zurück und bestenfalls macht man einen Kaizen-Workshop daraus.

Kaizen ist inzwischen fast eingedeutscht, das Toyota-Production-System kennen sie ja auch in Wolfsburg, da habe ich irgendwann woanders hingeschaut.
Auf das Geflecht drumherum und bin bei Keiretsu gelandet.

Keiretsu, das lernte ich dabei, ist so eine Art Geflecht rechtlich eigenständiger, aber eng verbundener Firmen. Bei Toyota gehören zum Beispiel die Zulieferer Denso und Aisin dazu; keine Töchter, aber Toyota hält an beiden Minderheitsanteile.

Ein Teil der Arbeit findet bei Toyota deshalb außerhalb des eigenen Konzerns statt und die 260.000 Beschäftigten weniger gegenüber Volkswagen bekommen damit ein kleines Sternchen.

Natürlich keine Erklärung für die höhere Marge, die bleibt und wartet auf eine bessere Erklärung.

Trotzdem beeindruckt mich Keiretsu.
Vielleicht romantisiere ich das auch ein bisschen. Aber die Vorstellung gefällt mir, dass hier Firmen seit Jahrzehnten miteinander arbeiten und zugleich finanziell miteinander verflochten sind. Man hat also ein bisschen mehr voneinander zu verlieren als nur den nächsten Auftrag.

Einen Workshop dafür habe ich noch nicht entdeckt.
Aber ich würde wetten, dass gerade jemand daran arbeitet:
„Keiretsu in sieben einfachen Schritten.“

Schritt acht dürfte schwierig werden.
Der dauert ein paar Jahrzehnte

Ideen für
eine bessere
Zukunft

Michael Okada

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