Seit einiger Zeit lese ich, dass die Konzerne ihre Leute wieder ins Büro holen.
Jetzt plant auch Mercedes-Benz bis zu vier Bürotage pro Woche.
Aber irgendwie deckt sich das nicht mit dem, was ich erlebe.
Wenn ich mit unseren Kunden und Lieferanten spreche, sitzen dort die meisten zu Hause. Vielleicht hat sich die Nachricht noch nicht überall herumgesprochen.
Bin ich in Tokio, sehe ich das Gegenteil.
Morgens knallvolle Züge, Anzüge und Kostüme, man könnte meinen, ganz Tokio sei auf dem Weg ins Büro. Im Zentrum stehen laut dem Maklerhaus Miki Shoji nur noch unter 2 Prozent der Büroflächen leer, ein Vermietertraum.
Wobei laut einer Persol-Umfrage 81,6 Prozent der japanischen Beschäftigten, die schon von zu Hause arbeiten, dabei bleiben möchten. Also offenbar auch dort keine ungebremste Sehnsucht nach dem Schreibtisch in der Firma.
Das kann ich verstehen.
Ich kenne das Büro aus dem Konzern, und ich kenne es heute als Unternehmer.
In beiden Fällen war ich dort nicht allein. Ich habe mit Menschen zusammengearbeitet, die ich mir privat nicht unbedingt ausgesucht hätte. Leute mit anderen Lebensentwürfen und an den unterschiedlichsten Punkten ihrer Karriere.
Erholsam war das nicht immer, denn manchmal habe ich dabei Dinge erfahren, die ich lieber nicht gewusst hätte und die ich seither leider weiß.
Für das Homeoffice gibt es viele gute Gründe, die ich niemandem ausreden möchte.
Ich vermute trotzdem, dass das Büro auch deshalb lästig ist, weil dort Menschen herumlaufen, die nicht in unsere Blase passen. Und so haben wir immer weniger Orte, an denen man Menschen nicht ausweichen kann, die anders leben, anders denken und einem manchmal richtig auf die Nerven gehen.
Schade eigentlich.